Filmkorn wie in analogen Zeiten! Tutorial mit GIMP
Ich bin "digital" aufgewachsen. Und habe von der neuen Technik sicherlich stark profitiert. Doch hie und da begegne ich einer älteren Fotografie, welche eine gewaltige Faszination auf mich ausübt. Man sieht diese Bilder - meistens Schwarz-Weiss, mit grobem Filmkorn - heute einfach so selten. Und schon gar nicht im Internet.
Ich hab mal gegoogelt und einige Ideen gefunden, wie man diesen Effekt des Filmkorns nachstellen könnte. Die Lösung heisst fast überall: (digitales) Rauschen per Filter und anschliessend weichzeichnen. Aber nun mal Schritt für Schritt...
Mein Ausgangsbild ist ein schönes Portrait in Schwarz-Weiss, mit eher weichen Konturen.

[Bild 1: Ausgangsbild]
1. Graue Ebene für das Korn erstellen
Erst wird das Ausgangsbild in GIMP geladen. Der besseren Übersichtlichkeit wegen nennen wir die Ebene um in "Originalbild". Dann erstellen wir eine neue Ebene in mittlerem Grau (RGB-Werte: 128, 128, 128) und nennen diese "Korn". Wir werden daruf nämlich das Korn simulieren. Im Ebenendialog kann man für jede Ebene einen "Modus" definieren, siehe Bild 2. Wir wählen für das neue Bild den Modus "Überlagern", man sieht nun wieder das Ausgangsbild. Der Ebenendialog sollte nun etwa so aussehen:
[Bild 2: Ebenendialog]
2. Digitales Rauschen erzeugen
Die meisten Bildbearbeitungsprogramme haben sogenannte Filter, um künstliches "Rauschen" zu erzeugen. Dadurch werden mehr oder weniger zufällige Störungen erzeugt, welche in ungefähr dem Rauschen auf digitalen Fotos bei hohen ISO-Werten entspricht. Bei GIMP wählen wir dafür Filter -> Rauschen -> RGB-Rauschen. Bei einem Graubild gibts da die Regler Grau und Alpha. Diese Werte sind sehr eng mit der Auflösung des Bildmaterials verknüpft. Für mein 3MP-Bild wähle ich für Grau den Wert 0.25 und für Alpha den Wert 0.15 aus.
Beachte: Das Bild erscheint nun (stark) "verrauscht". Das Rauschen ist tatsächlich aber nur auf der Ebene Korn - das Originalbild bleibt unverändert. So kann die Stärke des Effekts über den Deckkraft-Regler heruntergeschraubt werden!

[Bilder 3 und 4: RGB-Rauschen]
3. Weichzeichnen
Bild 4 zeigt noch das eher unschöne "digitale" Rauschen - das ist nicht das was wir wollen. Wir wenden daher auf die Ebene Korn nochmals einen Filter an: den altbewährten Gauss-Weichzeichner (Filter -> Weichzeichnen -> Gaussscher Weichzeichner). Als Radius wählen wir einen Wert zwischen 1.0 und 2.0 (ausprobieren ist angesagt... ich habe hier Radius 1 gewählt). Der Effekt erscheint nun schon viel realistischer.

[Bilder 5 und 6: nach Gauss-Filter: simuliertes Filmkorn]
4. Deckkraft der Korn-Ebene = Stärke des Effekts
Vielleicht erscheint der Effekt nun etwas zu stark. Kein Problem, wir haben "nicht-destruktiv" gearbeitet, die Originalbild-Ebene ist unverändert. Wir können also wie oben schon erwähnt über den Schieberegler Deckkraft im Ebenendialog die Stärke des Effekts bestimmen. Ich bin bei meinem Bild glücklich mit einem Wert 80%...

[Bild 7 - Deckkraft-Regler]
Übrigens: Über das Augen-Symbol kann man jede Ebene ein- und ausblenden. Macht man genau das bei der Korn-Ebene, so kann man direkt den Unterschied zwischen unbearbeitetem Originalbild und Bild mit Korneffekt betrachten.
Hier könnt ihr noch jeweils das ganze Bild in voller Auflösung betrachten - mit und ohne Korn. Diese Dateien sind zum Nachvollziehen dieses Tutorials und zum Vergleichen gedacht - verwendet sie deshalb bitte für nichts anderes... danke!
Endbild - simuliertes Filmkorn
Etwas ähnliches macht übrigens auch dieses Skript für GIMP - automatisch, aber mit weniger Kontrolle durch den Anwender.
Ich freue mich über Anregungen, Feedbacks, und helfe auch gerne bei allfälligen Unklarheiten; nutze bitte das Formular um mich zu kontkaktieren.



